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Schädlinge an Cannabis erkennen
Spinnmilben, Thripse, Blattläuse und weitere typische Schädlinge anhand von Tier, Fundort und Schadbild sicherer unterscheiden.
Nicht jedes auffällige Blatt ist ein Schädlingsbefall
Punktierungen, Verfärbungen oder gekräuselte Triebe können auch durch Licht, Gießen, Nährstoffversorgung oder Wurzelprobleme entstehen. Eine belastbare Einschätzung verbindet deshalb immer drei Hinweise: das Tier selbst, seinen bevorzugten Fundort und ein dazu passendes Schadbild. Ein einzelnes Symptom reicht selten aus.
Kontrolliere systematisch statt nur von oben
Nimm dir regelmäßig einige Blätter aus dem oberen, mittleren und unteren Bereich vor und betrachte besonders die Unterseiten, Blattadern, jungen Triebe und Blütenansätze. Eine Handlupe mit etwa 10- bis 30-facher Vergrößerung, weißes Papier zum Abklopfen und gute Beleuchtung machen winzige Tiere deutlich leichter sichtbar.
Die Abbildungen sind Orientierung, kein Größenmaßstab
Die folgenden Grafiken zeigen die Schädlinge stark vergrößert zusammen mit ihrem typischen Schadbild. Farbe und Aussehen können je nach Art, Lebensstadium und Licht variieren. Hanf-Rostmilben lassen sich mit bloßem Auge gar nicht sicher erkennen; bei unklaren oder schweren Fällen ist eine fachliche Bestimmung sinnvoll.
Die wichtigsten Schädlinge im Porträt
Die Darstellungen verbinden ein vergrößertes Tierporträt mit typischen Spuren. Nutze sie als Vergleichshilfe und prüfe immer mehrere Merkmale.

Indoor, Gewächshaus und Outdoor
Zweipunkt-Spinnmilben
Tetranychus urticae
- So erkennst du den Schädling
- Sehr kleine, ovale Milben mit acht Beinen; adulte Tiere tragen häufig zwei dunkle Flecken. Runde, durchscheinende Eier und feine Gespinste stützen die Diagnose.
- Typisches Schadbild
- Zunächst viele helle, punktförmige Sprenkel. Bei stärkerem Befall vergilben oder vertrocknen Blätter; Gespinste können Blätter und Triebspitzen überziehen.
- Hier solltest du suchen
- Vor allem Blattunterseiten älterer und mittlerer Blätter. Tiere über weißem Papier abklopfen und mit der Lupe prüfen.
- Häufige Verwechslung
- Thripse können ebenfalls helle Spuren erzeugen. Schwarze Kotpunkte sprechen eher für Thripse, Gespinste und runde Eier eher für Spinnmilben.

Vor allem Indoor und Gewächshaus, auch Outdoor
Hanf-Rostmilben
Aculops cannabicola
- So erkennst du den Schädling
- Mikroskopisch kleine, blass-cremefarbene, längliche Milben mit keilförmig zulaufendem Körper und nur zwei Beinpaaren nahe dem Kopf. Sie bilden keine Gespinste.
- Typisches Schadbild
- Neues Wachstum kann sich kräuseln, stauchen oder bronzefarben und matt wirken. Triebspitzen und junge Blüten können sich verformen; die Symptome sind nicht allein beweisend.
- Hier solltest du suchen
- Junge Blätter, Blattstiele und Blütenansätze mit starker Vergrößerung untersuchen. Eine sichere Artbestimmung kann ein Mikroskop oder Diagnoselabor erfordern.
- Häufige Verwechslung
- Leicht mit Hitze-, Licht-, Nährstoff- oder Herbizidschäden zu verwechseln. Ohne sichtbare Milben ist das Schadbild nur ein Verdacht.

Besonders Indoor und Gewächshaus
Thripse
Thysanoptera, häufig Frankliniella-Arten
- So erkennst du den Schädling
- Winzige, sehr schlanke, schnell laufende Tiere. Adulte Thripse besitzen schmale Fransenflügel; Larven sind meist heller und flügellos.
- Typisches Schadbild
- Silbrig-graue, unregelmäßige Schabespuren oder Sprenkel, oft begleitet von kleinen glänzend schwarzen Kotpunkten. Junge Blätter und Blüten können vernarben oder sich verformen.
- Hier solltest du suchen
- Blattunterseiten, enge Triebspitzen und Blüten. Leichtes Klopfen über weißem Papier macht die beweglichen Tiere besser sichtbar.
- Häufige Verwechslung
- Spinnmilbenschäden sind meist feiner punktiert. Thripse hinterlassen häufiger schwarze Kotpunkte und niemals typische Milbengespinste.

Indoor und Outdoor
Cannabisblattläuse
Phorodon cannabis
- So erkennst du den Schädling
- Weichhäutige, birnenförmige Insekten mit sechs Beinen, langen Fühlern und zwei kleinen Röhrchen am Hinterleib. Sie können hellgrün, gelblich oder hellbraun sowie geflügelt oder ungeflügelt sein.
- Typisches Schadbild
- Dichte Kolonien können Wachstum bremsen, Blätter vergilben lassen und junge Bereiche verformen. Klebriger Honigtau und weiße Häutungsreste sind oft auffälliger als der direkte Saugschaden.
- Hier solltest du suchen
- Unterseiten von Blättern, Blattadern, Stiele und junge Blüten. Auch glänzende Honigtautropfen auf tiefer liegenden Blättern beachten.
- Häufige Verwechslung
- Weiße Häutungsreste sind keine lebenden Tiere. Andere Blattlausarten sehen ähnlich aus; die genaue Art lässt sich anhand der Farbe allein nicht bestimmen.

Vor allem Indoor und Gewächshaus
Trauermücken
Sciaridae
- So erkennst du den Schädling
- Die dunklen, langbeinigen adulten Mücken laufen oder fliegen dicht über feuchtem Substrat. Ihre schlanken, glasig-weißen Larven leben im Medium und besitzen eine deutlich schwarze Kopfkapsel.
- Typisches Schadbild
- Erwachsene Tiere schädigen die Pflanze nicht. Sehr viele Larven können feine Wurzeln verletzen und besonders Sämlinge oder junge Pflanzen im Wachstum beeinträchtigen.
- Hier solltest du suchen
- Substratoberfläche, Drainagelöcher und Wurzelzone. Dauerhaft feuchtes, organisch reiches Medium begünstigt hohe Populationen.
- Häufige Verwechslung
- Nicht mit Fruchtfliegen verwechseln: Trauermücken sind dunkler, zierlicher, langbeiniger und halten sich typischerweise am Substrat auf.

Indoor, Gewächshaus und geschützte Außenlagen
Weiße Fliegen
Aleyrodidae, häufig Trialeurodes vaporariorum
- So erkennst du den Schädling
- Kleine, weiß bepudert wirkende, mottenähnliche Adulte fliegen beim Bewegen der Pflanze auf. Die flachen, ovalen Nymphen sitzen nahezu unbeweglich auf Blattunterseiten.
- Typisches Schadbild
- Saugschäden können Blätter gelb werden und vorzeitig abfallen lassen. Honigtau macht Oberflächen klebrig und kann später dunklen Rußtau begünstigen.
- Hier solltest du suchen
- Blattunterseiten auf adulte Tiere, ovale Nymphen und klebrige Tropfen prüfen. Die Pflanze nur leicht bewegen und auf auffliegende weiße Tiere achten.
- Häufige Verwechslung
- Weiße Fliegen sind keine echten Fliegen. Häutungsreste von Blattläusen bewegen sich nicht; Wollläuse wirken watteartig und fliegen beim Berühren nicht auf.

Vor allem Outdoor
Blütenfressende Raupen
Lepidoptera-Larven, z. B. Helicoverpa zea
- So erkennst du den Schädling
- Je nach Art grüne, braune oder gestreifte Raupen mit Kopfkapsel, drei echten Beinpaaren am Brustabschnitt und mehreren fleischigen Bauchfüßen.
- Typisches Schadbild
- Angefressene Blätter oder Blüten, kleine Eintrittsstellen und dunkle Kotkrümel. Fraß im Inneren dichter Blüten kann Gewebe absterben lassen und das Risiko von Fäulnis erhöhen.
- Hier solltest du suchen
- Outdoor während der Blüte Blüten vorsichtig von außen und zwischen lockeren Bereichen kontrollieren. Auf Kot, Fraßkrümel, welke Einzelstellen und kleine Raupen achten.
- Häufige Verwechslung
- Braune Blütenstellen können auch durch Grauschimmel entstehen. Kot und sichtbare Fraßgänge sprechen für Raupen; verdächtige Blüten dennoch immer auf Fäulnis prüfen.

Outdoor
Nacktschnecken
Gastropoda
- So erkennst du den Schädling
- Weiche, beinlose Tiere ohne Gehäuse, meist grau oder braun, mit zwei Fühlerpaaren. Sie sind vor allem nachts und bei feuchtem Wetter aktiv.
- Typisches Schadbild
- Unregelmäßige, ausgefranste Löcher und angefressene Blattränder. Junge Pflanzen können stark geschwächt werden. Eine silbrig glänzende Schleimspur ist ein wichtiger Hinweis.
- Hier solltest du suchen
- Abends oder frühmorgens an Pflanzenbasis, Topfrändern, unter Brettern, Töpfen und Mulch nachsehen.
- Häufige Verwechslung
- Raupen und Käfer fressen ebenfalls Löcher. Schleimspuren und nächtliche Aktivität sprechen deutlich für Schnecken.
Vorbeugen und Befall richtig einordnen
Kontrolliere neue Pflanzen getrennt, halte Arbeitsflächen und Werkzeuge sauber und beobachte Blattunterseiten regelmäßig. Klebetafeln können fliegende Stadien anzeigen, bilden aber nicht automatisch die Stärke des gesamten Befalls ab. Entferne oder behandle nichts allein aufgrund eines einzelnen Flecks: Bestimme zuerst möglichst genau, was du siehst.
Falls eine Bekämpfung nötig wird, beachte die für deinen Standort geltenden Zulassungen und die Entwicklungsphase der Pflanze. Rückstände auf Blüten, Schäden an Nützlingen und Resistenzen sind gute Gründe, Pflanzenschutzmittel nicht pauschal zu empfehlen. Bei starkem oder unklarem Befall hilft eine sachkundige Beratungs- oder Diagnosestelle.
Fachquellen und weiterführende Bestimmungshilfen
Die Inhalte wurden mit universitären Pflanzenschutz- und Extension-Quellen abgeglichen:
- Cornell University: Insektenmanagement bei Hanf
- Colorado State University: Cannabisblattlaus
- Colorado State University: Hanf-Rostmilbe
- UC IPM: Spinnmilben
- UC IPM: Thripse
- UC IPM: Trauermücken
- UC IPM: Weiße Fliegen
- Cornell IPM: Baumwollkapselwurm an Hanf
- University of Minnesota Extension: Nacktschnecken
Eine ruhige Checkliste für die Praxis
- Zuerst Blattober- und -unterseiten mit guter Beleuchtung vergleichen
- Fundort, Schadbild und sichtbares Tier gemeinsam bewerten
- Auffällige Stellen fotografieren und ihre Entwicklung dokumentieren
- Neue Pflanzen und gebrauchtes Material zunächst getrennt kontrollieren
- Nützlinge nicht mit Schädlingen verwechseln und nicht vorschnell behandeln
- Bei mikroskopisch kleinen Milben oder unklarem Befund fachliche Hilfe nutzen